Was verdiente man früher? Durchschnittsentgelte von 1891 bis heute
Was verdiente ein Arbeitnehmer 1913, 1937, 1960 oder 1990? Die gesetzliche Rentenversicherung führt dafür eine amtliche Reihe: das Durchschnittsentgelt nach SGB VI Anlage 1, das durchschnittliche Bruttojahresentgelt aller Versicherten, zurückgerechnet bis 1891. Dieser Artikel zeigt die Reihe je Jahrzehnt, rechnet sie mit den Bundesbank-Faktoren in Kaufkraft von heute um und vergleicht sie mit dem Durchschnittsentgelt 2024 (47.085 €).
Was das Durchschnittsentgelt ist
Das Durchschnittsentgelt ist die Bezugsgröße der Rentenformel: Wer in einem Jahr genau das Durchschnittsentgelt verdient, erhält einen Entgeltpunkt; wer die Hälfte verdient, einen halben. Damit die Renten heutiger Ruheständler aus Verdiensten der 1960er- oder 1970er-Jahre berechnet werden können, hat der Gesetzgeber die Reihe in Anlage 1 zum SGB VI festgeschrieben und bis 1891 zurückverlängert. Sie ist deshalb eine der wenigen amtlichen Verdienstreihen, die über Währungswechsel hinweg durchläuft: in Mark bis 1923, in Reichsmark bis 1948, in D-Mark bis 2001, seither in Euro. Die Werte für die letzten beiden Jahre sind jeweils vorläufig.
Zwei Einschränkungen: Das Durchschnittsentgelt erfasst nur sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, keine Beamten, Selbstständigen oder Landwirte; und es ist ein Durchschnitt, der Facharbeiter und Hilfskräfte, Männer und Frauen, Vollzeit und Teilzeit zusammenfasst. Für die Frage "Was verdiente man damals?" ist es trotzdem der beste amtliche Anker.
Die Reihe je Jahrzehnt
| Jahr | Jahresentgelt | je Monat | Kaufkraft heute | 2024 real dazu |
|---|---|---|---|---|
| 1891 | 700 Mark | 58 Mark | rund 5.670 € | 8,3-fach |
| 1900 | 796 Mark | 66 Mark | rund 6.766 € | 7-fach |
| 1913 | 1.182 Mark | 99 Mark | rund 7.801 € | 6-fach |
| 1921 | 9.974 Mark | 831 Mark | rund 4.987 € | 9,4-fach |
| 1925 | 1.469 RM | 122 RM | rund 6.904 € | 6,8-fach |
| 1929 | 2.110 RM | 176 RM | rund 9.073 € | 5,2-fach |
| 1932 | 1.651 RM | 138 RM | rund 9.081 € | 5,2-fach |
| 1937 | 1.856 RM | 155 RM | rund 9.837 € | 4,8-fach |
| 1943 | 2.324 RM | 194 RM | rund 11.155 € | 4,2-fach |
| 1950 | 3.161 DM | 263 DM | rund 10.716 € | 4,4-fach |
| 1960 | 6.101 DM | 508 DM | rund 17.022 € | 2,8-fach |
| 1970 | 13.343 DM | 1.112 DM | rund 28.821 € | 1,6-fach |
| 1980 | 29.485 DM | 2.457 DM | rund 38.920 € | 1,2-fach |
| 1990 | 41.946 DM | 3.496 DM | rund 43.204 € | 1,1-fach |
| 2001 | 55.216 DM | 4.601 DM | rund 44.725 € | 1,1-fach |
| 2002 | 28.626 Euro | 2.386 Euro | rund 44.657 € | 1,1-fach |
| 2010 | 31.144 Euro | 2.595 Euro | rund 42.979 € | 1,1-fach |
| 2020 | 39.167 Euro | 3.264 Euro | rund 47.784 € | 1-fach |
| 2024 | 47.085 Euro | 3.924 Euro | rund 48.027 € | 1-fach |
Lesebeispiel: 1960 verdiente ein Durchschnittsverdiener 6.101 DM im Jahr, rund 508 DM im Monat. Mit dem Bundesbank-Faktor 2,79 entspricht das einer Kaufkraft von rund 17.022 € heute. Das Durchschnittsentgelt 2024 ist mit 47.085 € real rund 2,8-mal so hoch. Die letzte Spalte ist damit ein Maß für den Reallohnzuwachs: Wie viel mehr Warenkorb kauft ein Durchschnittsverdiener heute als damals.
Was die Reihe erzählt
Kaiserreich: Von 1891 bis 1913 stieg das Durchschnittsentgelt von 700 auf 1.182 Mark, bei fast stabilen Preisen - eine Phase realen Wohlstandsgewinns. Inflation: Der Wert für 1921 (9.974 Mark) ist nominal das Achtfache von 1913, real aber weniger wert; 1922 und 1923 fehlen, weil Löhne in der Hyperinflation täglich neu festgesetzt wurden. Weimarer Republik und NS-Zeit: Die Reichsmark-Reihe zeigt den Einbruch der Weltwirtschaftskrise (1929: 2.110 RM, 1933: 1.583 RM) und den Anstieg der Kriegsjahre bei eingefrorenen Preisen. Wirtschaftswunder: Zwischen 1950 und 1970 vervierfachte sich das Entgelt nominal, real verdoppelte es sich mehr als. Seit 1990: Die Reallöhne stiegen deutlich langsamer; zwischen 2001 und 2024 wuchs die Kaufkraft des Durchschnittsentgelts nur noch um wenige Prozent.
Zwei Maßstäbe für "heute wert"
Die Reihe erklärt, warum die Betragsseiten dieser Site zwei Werte zeigen. Der Kaufkraft-Faktor sagt, was ein Betrag im Warenkorb wert war. Der Verdienst-Anker sagt, welchen Anteil eines Durchschnittsverdiensts er ausmachte - und welcher Betrag heute denselben Anteil hätte. Für 1.000 DM von 2001 sind das rund 810 € Kaufkraft, aber rund 853 € am Verdienstniveau von 2024. Je weiter der Jahrgang zurückliegt, desto weiter gehen beide Werte auseinander, weil sich in der Differenz der Reallohnzuwachs sammelt.
Wo die Werte stehen
Jede Jahrgangsseite dieser Site nennt das Durchschnittsentgelt des Jahres und rechnet es in heutige Kaufkraft um, zum Beispiel D-Mark 1960 oder Reichsmark 1937. Die vollständige Reihe steht im Gesetz: SGB VI Anlage 1 (gesetze-im-internet.de), Fundstelle auf der Seite Quellen und Datenstand. Für Verdienste aus der DDR gilt zusätzlich der Umrechnungswert nach Anlage 10: DDR-Mark und die Währungsunion 1990.