Mark in Euro

Inflationsrechner Deutschland: Kaufkraft von 1810 bis heute berechnen

Kurz gesagt

Ein Inflationsrechner beantwortet die Frage "Was wäre dieser Betrag heute wert?": Er rechnet einen historischen Betrag mit der seither aufgelaufenen Teuerung auf den heutigen Preisstand hoch. Dieser Rechner tut das für alle deutschen Währungen seit 1810 - Gulden, Taler, Mark, Reichsmark, D-Mark und Euro - auf Basis der Kaufkraftäquivalente der Deutschen Bundesbank, Preisstand 2025.

Was der Rechner rechnet

Die Deutsche Bundesbank veröffentlicht für jedes Jahr seit 1810 einen Faktor, der angibt, welchem heutigen Euro-Betrag eine Einheit der damaligen Währung entspricht. Der Faktor beruht auf dem Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts und seinen historischen Vorgängerreihen; für die Zeit vor 1948 auf den Lebenshaltungskostenindizes des Statistischen Reichsamts und wirtschaftshistorischen Rekonstruktionen. Der Rechner multipliziert den eingegebenen Betrag mit dem Faktor des gewählten Jahrgangs: 100 DM von 1970 × 2,16 = rund 216 €.

Für die D-Mark zeigt der Rechner zusätzlich den amtlichen Umtauschwert (Betrag ÷ 1,95583), weil beide Zahlen unterschiedliche Fragen beantworten: Der Umtauschwert sagt, was die Bundesbank heute auszahlt, die Kaufkraft sagt, was man damals dafür bekam. Für die Mark der DDR rechnet er die Umstellung von 1990 (2:1 für Guthaben, 1:1 im Freibetrag) und setzt dann die Kaufkraft der D-Mark von 1990 an, weil es für die DDR keinen Preisindex gibt.

Beispiele: 100 Einheiten je Währung

100 Einheiten je Währung in Euro von heute
BetragJahrgangKaufkraft heuteFaktor
100 DM1970rund 216 €2,16
100 DM1990rund 103 €1,03
100 Reichsmark1937rund 530 €5,30
100 Mark1913rund 660 €6,60
100 Gulden1850rund 2.880 €28,80
100 Taler1850rund 5.040 €50,40
100 Euro2002rund 156 €1,56

Die Tabelle macht den wichtigsten Punkt sichtbar: Der Name der Währung sagt wenig über den Wert. 100 Mark von 1913 hatten die Kaufkraft von rund 660 €, 100 Reichsmark von 1937 rund 530 €, 100 DM von 2001 rund 81 € - und 100 DM von 1950 rund 339 €. Erst Jahrgang und Faktor machen einen Betrag vergleichbar.

Wie man das Ergebnis liest

Der Rechner liefert eine Näherung, deshalb steht vor jedem Kaufkraftwert das Wort "rund". Die Bundesbank-Faktoren haben zwei bis drei signifikante Stellen; ein Ergebnis wie "rund 2.790 €" bedeutet "in der Größenordnung von 2.800 €", nicht "genau 2.790,00 €". Der Rechner rundet abgeleitete Werte deshalb ab zehn Euro auf ganze Euro und darunter auf Cent.

Zweitens misst der Faktor den durchschnittlichen Warenkorb eines Haushalts. Einzelne Güter haben sich anders entwickelt: Mieten und Dienstleistungen sind stärker gestiegen als der Index, Elektronik und viele Industriegüter deutlich schwächer. "1.000 DM von 1975 entsprechen rund 1.610 €" heißt also: Mit 1.000 DM konnte man 1975 so viel vom damaligen Warenkorb kaufen wie heute mit rund 1.610 €. Ob ein bestimmtes Produkt damals relativ teurer oder billiger war, sagt der Faktor nicht.

Wo der Rechner bewusst keine Antwort gibt

Für die Jahre 1922 und 1923 gibt es keinen Faktor: In der Hyperinflation änderte sich die Kaufkraft der Mark innerhalb von Wochen um Zehnerpotenzen, ein Jahresdurchschnitt wäre irreführend (mehr dazu: Hyperinflation 1923). Für die Mark der DDR gibt es keinen Preisindex, weil Preise staatlich festgelegt und subventioniert waren; hier bleibt nur der Weg über die Umstellung von 1990. Für die Jahre 1945 bis 1948 weist die Bundesbank ihre Faktoren als besonders unsicher aus, weil amtliche Stopppreise und Schwarzmarkt weit auseinanderlagen; der Rechner markiert diese Jahrgänge mit einem Sternchen.

Inflationsrechner und Verdienst: der zweite Maßstab

Neben dem Warenkorb gibt es einen zweiten Maßstab, den viele Menschen intuitiv meinen, wenn sie nach dem "heutigen Wert" fragen: den Verdienst. 1.000 DM waren 1960 rund 16,4 Prozent eines durchschnittlichen Jahresverdiensts (6.101 DM nach SGB VI Anlage 1); derselbe Anteil am Durchschnittsentgelt 2024 (47.085 €) wären rund 7.718 €, während der Kaufkraft-Faktor nur rund 2.790 € ergibt. Der Unterschied ist der Reallohnzuwachs seit 1960. Die Betragsseiten dieser Site zeigen deshalb beide Werte; die Verdienstreihe erklärt der Ratgeber Was verdiente man früher?.

Häufige Anwendungen

Typische Fragen an den Inflationsrechner sind Erbschaften und alte Verträge ("Was war das Sparbuch von 1965 wert?"), Familiengeschichte ("Was verdiente mein Großvater 1955?"), Preise in alten Zeitungen und Romanen ("Ein Brot für 3.000 Mark 1923") und der Vergleich von Gehältern, Mieten oder Kaufpreisen über Jahrzehnte. Für DM-Bestände, die noch im Schrank liegen, gilt daneben der feste Umtauschwert: DM in Euro umtauschen.

Alle Jahrgänge auf einen Blick: Kaufkraft nach Jahr. Rechenweg und Quellen: Methodik.

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